Gerhard Wagner
Strukturelle Ungleichstellungen und patriarchale Machtverhältnisse beschäftigen mich schon mein halbes Leben lang. Ich bin im ländlichen Raum in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen und wurde als weißer, heterosexueller Mann in diesem System sozialisiert. Umso dankbarer bin ich meinem familiären Umfeld, meinem Freund*innen-Kreis und den vielen Frauen und Wegbereiter*innen dafür, dass sie mir auf unterschiedlichster Weise dabei geholfen haben, mich selbst zu reflektieren, strukturelle Ungleichstellungen zu verstehen und meine eigenen Privilegien zu erkennen.
Während mich mein eigener Reflexionsprozess laufend begleiten wird, motiviert mich die Tatsache, dass ich meine eigenen Privilegien dafür nutzen kann, unsere Gesellschaft und Wirtschaft gerechter zu machen. Ich bin überzeugt davon, dass in der Vielfalt unserer Gesellschaft unsere Stärke liegt und wir den multiplen Herausforderungen der Zukunft nur gemeinsam begegnen können. Dafür braucht es gerechte Chancen für alle, echte strukturelle Gleichstellung und systemische Veränderung. Und all das gelingt schneller, wenn insbesondere wir Männer uns als Teil der Lösung sehen. Denn es ist nicht die Aufgabe von marginalisierten Gruppen für Gleichstellung zu sorgen. Daher sehe ich es auch als meine Verantwortung und Aufgabe, mich für Diversity, Equity & Inclusion stark zu machen und meine Privilegien für eine besser Zukunft für alle einzusetzen.
Die Basis für mein beruflichen Wirken wurde bereits 2016 gelegt, als ich mich entschlossen hatte, gemeinsam mit Studienkolleg*innen den Verein HeForShe Vienna zu gründen, um die gleichnamige, globale Kampagne von UN Women zu unterstützen und ihr in Wien und Österreich eine starke Stimme zu verleihen. HeForShe Vienna führte ich als Obmann mit meinem Team, bis wir unsere Vereinsaktivitäten nach Corona bedauerlicherweise ruhend stellen mussten. Mit unserem Ziel, Männer für Gleichstellung zu gewinnen und so strukturelle Gleichstellung voranzutreiben, lösten wir viel positive Resonanz aus. Wir konnten als Verein rasch wachsen und wichtige Beiträge zu mehr Gleichstellung in ganz Österreich leisten – sei es über Workshops an Schulen, über eigene Awareness-Kampagnen bis hin zur Mitarbeit in Fachrunden der Stadt Wien und interministeriellen Arbeitsgruppen.
Dieses Engagement eröffnete mir auch das Privileg, mich hauptberuflich für Vielfalt und Gleichstellung einzusetzen. In meinen Jahren in der Unternehmensberatung konnte ich unzählige Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zu Vielfalts- und Gleichstellungsfragen begleiten, öffentlich geförderte Beratungsprogramme mitgestalten und meinen Beitrag zu einer inklusiveren Wirtschaft leisten.
Im Juli 2021 wechselte ich in die Wiener Stadtwerke GmbH und bin seither als Manager für Vielfalt & Gleichstellung der Wiener Stadtwerke-Gruppe tätig. In meiner Funktion verantworte ich den Aufbau und die Weiterentwicklung des strategischen Vielfalts- und Gleichstellungsmanagements der Gruppe. Wir haben Verantwortlichkeiten in all unseren Konzernunternehmen geschaffen und ein gruppenweites Gremium etabliert, um gemeinsam unsere DEI-Agenden voranzutreiben. Den Rahmen dafür bilden unsere strategischen Zielsetzungen und zentralen Handlungsfelder, die mit konkreten Zielvorgaben versehen sind und von den Konzernunternehmen mit spezifischen Zielen und Maßnahmen operationalisiert werden. Die Aussteuerung erfolgt ab dem kommenden Jahr über eine digitale Monitoring-Plattform, in der alle DEI-Vorhaben aus der Gruppe gepflegt und somit transparent einsehbar werden – inklusive visuellem Dashboard zur dynamischen Auswertung und definierten Reporting-Prozessen an das Management. Strukturell verankerte Employee Resource Groups sollen zukünftig die Teilhabe und Mitgestaltungsmöglichkeiten der Kolleg*innen stärken und die Durchdringung der gesamten Organisation unterstützen.
Das Fundament für all unsere Vielfalts- und Gleichstellungsbemühungen bildet unser Respekt für Grenzen-Framework und unsere klare Null Toleranz-Haltung bei (sexueller) Belästigung, Mobbing und Diskriminierung, die ich im Co-Lead mit unserem Strategischen Gesundheitsmanagement 2023 entwickelt und implementiert habe. Dadurch ist es uns gelungen, in der gesamten Wiener Stadtwerke-Gruppe und für unsere mehr als 18.000 Mitarbeiter*innen idente Rahmenbedingungen, transparente Informationen, einheitliche Prozesse und wirksame Unterstützungsformate zu schaffen, um ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld zu fördern.
Nebenberuflich bin ich zudem als Gastlektor an der JKU Linz am Institut für Frauen- und Geschlechterforschung tätig. Der Austausch mit internationalen Studierenden zu DEI gibt mir nicht nur Energie, sondern auch wichtige Impulse für meine Arbeit in meinem Hauptberuf. Ehrenamtlich bleibe ich meinen Wurzeln verbunden und bin weiterhin als HeForShe-Botschafter und Male Ally aktiv und in ganz Österreich unterwegs.
Meine diversen Tätigkeiten ermöglichen es mir, mit vielen unterschiedlichen Zielgruppen in ganz Österreich und darüber hinaus im Austausch zu sein und gemeinsam die Transformation zu einer gleichgestellten und inklusiveren Gesellschaft und Wirtschaft voranzutreiben.
Mit meinem ehrenamtlichen Engagement als HeForShe Botschafter und Male Ally erreiche ich unterschiedlichste Menschen sowohl im städtischen als auch ländlichen Raum, bin mit Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden in Gemeinden, Schulen und Unternehmen unterwegs. In meiner Lehrtätigkeit an der JKU Linz bin ich pro Semester mit 25 bis 50 internationalen Studierenden im akademischen und unternehmenspraktischen Austausch zu Diversity, Equity & Inclusion.
Die quantitativ größte Wirksamkeit spüre ich in meiner hauptberuflichen Tätigkeit. Als Vielfalts- und Gleichstellungsmanager der Wiener Stadtwerke-Gruppe ist es mir möglich, nicht nur mit und für mehr als 18.000 Kolleg*innen an einem diskriminierungsfreien und gleichgestellten Arbeitsumfeld zu arbeiten, sondern auch ein möglichst biasfreies und inklusives Kund*innen-Erlebnis für Millionen von Stadtwerke-Kund*innen mitzugestalten. Darüber hinaus erlaubt mir meine Funktion und die damit verbundene Positionierung und Sichtbarkeit, die Vielfalts- und Gleichstellungsbemühungen in der Metropolregion Wien, in der österreichischen Wirtschaft und über spezifische Fach-Netzwerke in der kommunalen Branche im gesamten DACH-Raum mitzuprägen.
