„Barrierefrei im Kopf und mindestens 35% Frauen in Führung“

Bei Greiner denkt man Recruitingtexte neu und arbeitet an Inclusive Leadership. Das soll nicht nur die Unternehmenskultur stärken, sondern auch gegen den Fachkräftemangel helfen. Axel Kühner, CEO der Greiner AG und Andrea Pfaffenbauer, Global Director People & Culture bei Greiner Packaging geben Einblicke in Pläne zu mehr Diversität und Inklusion am Arbeitsplatz.

Nadia Weiss

WEconomy: In Ihrer Branche kämpft man derzeit mit dem Fachkräftemangel. Was machen Sie, um genügend junge Leute bekommen?

Andrea Pfaffenbauer: Die Verhältnisse haben sich total verschoben. Früher saßen die Arbeitgeber:innen am „längeren Ast“, heute sieht es anders aus. Um Menschen für uns zu gewinnen, müssen wir sie als Individuen ansprechen. Dieselbe Schablone über alle zu legen, das geht nicht. 

WEconomy: Was heißt das konkret und wie sieht das im Recruiting aus?

Andrea Pfaffenbauer: Wir müssen heute mehr unternehmen, um Mitarbeiter:innen zu recrutieren. Das sind konkrete Maßnahmen wie Active Sourcing oder Direktansprachen. Aber es heißt auch, die Sprache in den Anforderungsprofilen zu ändern, damit sich einfach mehr Leute angesprochen fühlen. Da bekommen wir sehr gutes Feedback, das war ein kraftvolles Learning. 

WEconomy: Sie sprechen ein Problem an, dass viele Recruiter:innen kennen: Gerade Frauen bewerben sich auf eine Stelle seltener, wenn von einer Liste an 20 Bulletpoints im Anforderungsprofil drei nicht ihren Qualifikationen entsprechen.

Andrea Pfaffenbauer: Genau. Da sehen wir schon Veränderungen, einfach über das Wording. Vieles wird on the Job gelernt. Und früher war die Zielgruppe gerade bei Lehrlingen sehr eng gesteckt. Das waren nur die jungen Burschen. Hier müssen wir breiter werden. 

WEconomy: Wie beeinflusst das die Diversität und Inklusion bei Greiner?

Axel Kühner: Die Förderung von Frauen ist bei Greiner ein wichtiger Aspekt eines inklusiven Arbeitsumfeldes.

 

 

„Ein inklusives Arbeitsumfeld bietet gleiche Chancen für alle – dafür wollen wir als Unternehmen stehen.”

 

WEconomy: Wie wird das vorangetrieben?

Andrea Pfaffenbauer: Wir beschäftigen uns aktiv mit diesen Themen und setzen uns klare Themenschwerpunkte. Unserer aktuellen Maßnahmen beziehen sich auf die Gleichstellung von Frauen und Männern. Außerdem setzen wir auf flexible Arbeitszeitmodelle.

WEconomy: Man weiß, dass Menschen gerne ihresgleichen einstellen. Wie sieht es bei Greiner mit Female Leadership aus?

Axel Kühner: Ein inklusives Arbeitsumfeld bietet gleiche Chancen für alle – dafür wollen wir als Unternehmen stehen. Unser erklärtes Ziel ist es, bis 2025 mindestens 35 Prozent der Führungspositionen bei Greiner mit Frauen zu besetzen. 

WEconomy: Wie beginnt man damit?

Andrea Pfaffenbauer: Wir setzen vor allem auf das Sichtbarmachen von Frauen. Im Employer Branding, im Active Sourcing, bei der Besetzung unserer Recruiting Comitees, als auch Personalmarketing unserer Role Models und in unserem Engagement bei internen und externen Mentoring Programmen.

WEconomy: Auch der Gender-Pay-Gap wird immer noch heiß diskutiert. Wie gehen Sie damit um?

Andrea Pfaffenbauer: Hier führen wir ein universelles Modell zur Stellenbewertung ein und haben Benchmarks, um sowohl Karrierewege als auch finanzielle Vergütung transparent zu gestalten.

WEconomy: Diversity ist ein breites Thema. Wie gehen Sie vor, um Menschen mit Behinderungen zu fördern und durch mehr Inklusion auch die Unternehmenskultur zu formen?

Andrea Pfaffenbauer: Hier stehen wir am Anfang unserer Bemühungen und führen aktuell Workshops zu Inclusive Leadership durch. Bewusstseinsbildung zu Unconcious Biases als auch „Barrierefrei im Kopf“ sind dabei unsere zentralen Leitsätze.

Was bewirken solche Workshops?

Andrea Pfaffenbauer: Man kommt hier vom gemeinsamen Tun zu einer gemeinsamen Unternehmenskultur. Alles beginnt bei Awareness.

Was formt Unternehmenskultur am meisten in dieser Hinsicht?

Andrea Pfaffenbauer: Es geht um grundlegende Dinge wie Vertrauen, Respekt, Wertschätzung für unterschiedliche Tätigkeiten, die die Mitarbeiter:innen erfüllen. Es muss von der Führung mitgetragen werden. Versprechen müssen eingehalten werden. Dadurch entsteht Kultur. Das muss glaubhaft sein und nicht nur als Werte auf einem Plakat stehen. Auf Instagram und LinkedIn kann ich mich wunderbar präsentieren. Aber für Mitarbeiter:innen zählt das, was in der Produktionshalle und im Büro passiert.

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