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„Vielfalt ist eine Stärke”

Die „Diversity Leaders Challenge“ ist eine breit aufgestellte Initiative, um mehr Diversität in der Wirtschaft umzusetzen. Eine wichtige Partnerin auf unserem Weg ist Manisha Joshi, Business Director und Head of Diversity & Inclusion bei Ketchum Publico. Ein Gespräch über ihre Motivation und Ziele.

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Diversität ist einer der Schwerpunkte Ihrer Arbeit bei der Communciations Consultancy Ketchum. Wie kam es zur intensiven Beschäftigung mit der Thematik? Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Diversität hat mich aufgrund meiner Herkunft immer schon beschäftigt. Als einziges „braunes“ Kind am Land aufzuwachsen, das prägt. Ich hatte eine wunderschöne Kindheit, aber ich wurde natürlich sehr früh mit diesem Thema, dem „Anders-sein“ konfrontiert. Ich habe selten im engen Sinn Rassismus erlebt, aber ich habe immer einen Unterschied bemerkt. Das hat sich bis in mein Berufsleben weitergezogen. In einem ehemaligen Job habe ich gehört: „Du bist zu anders für uns, du passt nicht zu uns.“ Auch das prägt. Jetzt habe ich einen Arbeitgeber gefunden, der mich genau so nimmt, wie ich bin. Nämlich: Ich bin anders, ich bin kreativ, ich bin vielseitig und das sind Stärken. Diese Botschaft möchte ich jungen Frauen, jungen Menschen weitergeben. Seid so, wie ihr seid. Anderssein ist ein Fortschritt und ein Vorteil – vor allem auch für Unternehmen. Seht es als Wettbewerbsvorteil.

 

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Ihnen wurde aber häufig suggeriert, dass Anderssein ein Nachteil ist. Wann haben Sie das infrage gestellt?
Ich wollte fliegen, hatte aber das Gefühl, dass meine Flügel gestutzt werden. Mir wurde auch gesagt, ich bin zu motiviert, zu schnell, mein Team kommt nicht mit. Das hat mich frustriert. Und es hat mich zum Nachdenken gebracht. Kann man zu motiviert sein? Kann man zu kreativ sein? Nein: Ich muss mir einfach eine:n Arbeitgeber:in suchen, der genauso ist. Ich habe nun mit Saskia Wallner eine Geschäftsführerin gefunden, die genauso tickt wie ich. Sie will mich nicht trotz meines Anderssein, und trotz meiner Schnelligkeit, und trotz meiner Motivation. Sie will mich genau deswegen.

Wie würden Sie Ihr „Anderssein“ definieren?
Ich bin überzeugt davon, dass gerade junge Frauen wesentlich mehr Kritik erleben müssen. Denn es gibt dieses Klischeebild von einer jungen Frau: Sie sollte einfach fleißig sein, keine allzu viele Fragen stellen und sich ein- / unterordnen. Also nicht zu sehr auffallen, nicht zu sehr präsent sein, am besten auch nicht zu sehr verändern wollen. Alles soll weiterhin so funktionieren, wie es bisher funktioniert hat. Das bedeutet aber Stillstand.

Diverse Teams sind ja oft besser, weil sie diesen Impuls zur Veränderung zulassen. Glauben Sie, dass in den Unternehmen ein Umdenken stattfindet um Potentiale besser zu nutzen?
Globale Bewegungen wie „Black Lives Matter“ und „MeToo“ haben viel bewirkt und die österreichische Wirtschaft muss da mitziehen. Vor allem die Generation unter 30 tickt anders: Die sucht sich ihren Arbeitgeber genau aus und dieser muss fortschrittlich sein.Nur wer sich weiter entwickelt, kann also die wenigen jungen Talente, die wir auf dem Markt haben, für sich gewinnen. Dazu gehören Diversity, Gleichberechtigung und soziales Engagement.

Und was macht Ketchum Public in Hinsicht auf Diversität?
Wir gehören zur globalen Kommunikationsberatung Ketchum, mit 70 Standorten auf der ganzen Welt. Diversität ist für uns bei Ketchum ein ganz wichtiges Charakteristikum, an dem wir auch strategisch ständig weiter arbeiten. Wenn ich sehe, welche Richtlinien bereits jetzt in den USA oder in Großbritannien gelten, dann sind wir in Österreich noch in der Steinzeit. Ich bin froh, wenn ich überhaupt ein paar Menschen finde, die in Österreich in unserer Branche mit einem unterschiedlichen sozialen Background Fuß gefasst haben. Um dies zu ändern, ist bei Ketchum Diversität auf Management Ebene angesiedelt und als Head of Diversity & Inclusion bin ich ein Teil der Führungsebene. Wir wollen nicht nur reden, wir wollen Taten setzen. Gerade in der Kommunikationsbranche können wir eine Veränderung schaffen. Wir beraten Unternehmen täglich, wie sie kommunizieren sollen, wie sie Vertrauen stiften, wie sie ihr Image aufbauen. Wir wollen auch dahingehend beraten, wie unsere Kunden Diversität leben und dadurch auch viel mehr Menschen ansprechen können.

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„Ich glaube, wir müssen mutiger sein. Jeder Einzelne von uns, aber vor allem auch Unternehmen.”

 

Was glauben Sie, sind so die größten Herausforderungen, um Diversität in einem Unternehmen umzusetzen? Ich glaube, die größte Herausforderung ist Mut. Wir müssen mutiger sein. Jede:r Einzelne:r von uns, aber vor allem auch Unternehmen. Wir müssen uns trauen, auch unangenehme Dinge anzusprechen und uns selbst zu reflektieren. Geschlechterdiskriminierung ist ganz, ganz zentral. Aber wir müssen auch mutig sein, Menschen mit ausländischen Namen, mit nicht akademischen Background, mit komplett unterschiedlicher sozialen Herkunft einzuladen, mit ihnen zu reden, sie überhaupt erst einmal in Betracht für unsere Teams zu ziehen. Denn Diversität spiegelt sich nicht nur in einem perfekten Lebenslauf wider. Diversität ist Kreativität und das sieht man nicht auf einem Blatt Papier. Also mein Appell ist: Lasst uns doch mehr Menschen einladen, geben wir mehr Menschen Chancen, suchen wir woanders nicht immer nur auf den gleichen Karriere-Portalen.

Können Sie uns ein Beispiel aus der Praxis erzählen?
Letzte Woche war eine junge Frau für ein Bewerbungsgespräch bei uns. Diese junge Frau hat Rassismus erlebt und mir ziemlich persönlich darüber erzählt, worüber ich sehr dankbar bin. Sie war wie ich eine Woman of Colour. Sie meinte, eine große Motivation ist, an meinem Beispiel zu sehen, dass man als Women of Colour in Österreich erfolgreich sein kann. Auch deswegen hatte sie sich gerade bei uns beworben. Das hat mich sehr berührt. Als ich 20 war, kannte ich keine Women of Colour in Führungspositionen österreichischer Unternehmen, zu denen ich hätte aufschauen können. Noch immer gibt es hierzulande viel zu wenig Role Models, aber sie werden Gott sei Dank mehr.

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