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„Sich raus aus der eigenen Bubble bewegen“

Iris Braun träumte seit ihren Schultagen davon, ein soziales Unternehmen zu gründen. Mit „Share“ ist ihr das eindrucksvoll gelungen.

Video-Call nach Berlin: Aus der Metropole der Coolness erscheint die Gründerin Iris Braun am Schirm. „Share“ ist ein Sozialunternehmen, das für jedes gekaufte Share-Produkt eine gleichwertige Hilfesleistung für Bedürftige im In- und Ausland spendet. Mittlerweile wurden allein in Österreich mehr als eine Million Produkte geteilt, eine Anzahl, die für sehr viele Menschen auf dieser Welt einen positiven Unterschied in ihrem Alltag bedeutet. Weltweit waren es sogar dreißig Millionen. Unser Gespräch dreht sich um Nachhaltigkeit, bewussten und lustvollen Konsum, aber auch der Umsetzung von New Work und Diversität in der Firmenkultur.

„Share“ ist ein global agierendes Unternehmen. Wie wirken sich die internationalen Krisen auf Betrieb und Strategie aus?

In diesen unterschiedlichen Krisen, die wir gerade weltweit erleben, spüren die Menschen, dass wir alle miteinander vernetzt sind und man eben nicht einfach „die Zugbrücke hochziehen“ kann. Denn wenn in China ein Problem auftaucht, hat dies Auswirkungen auch in Europa. Bei unseren Kunden bewirkt dies, dass der Wunsch nach nachhaltigen Produkten noch einmal gesteigert wird. Denn dadurch, dass wir alle miteinander vernetzt sind, werden wir Themen wie Integration oder Klimawandel auch nur gemeinschaftlich lösen können. Unser Ansatz ist es, lokale Projekte zu ermöglichen, indem wir aus unseren Erlösen dafür spenden oder dass unser Team sich mehr in Krisensituationen engagiert und helfen kann. So haben sehr viele Kolleginnen  und Kollegen jetzt in Berlin am Bahnhof ausgeholfen und auch Geflüchtete aus der Ukraine bei sich zuhause aufgenommen. Das unterstützen wir auch als Firma.

Besteht die Gefahr, dass wir lieber „vor der Haustür“ helfen und andere Regionen vernachlässigt werden?

Das macht unsere Mission umso wichtiger, gerade für Themen, die jetzt nicht so sehr im Rampenlicht stehen. Wir möchten unsere Projekte, die wir im globalen Süden und bestimmten Katastrophen- oder Kriegsgebieten seit geraumer Zeit unterstützen, gerade jetzt nicht vernachlässigen. Persönlichkeiten wie Boris Johnson in Großbritannien oder Narendra Modi in Indien vermitteln ein Weltbild, in dem wir uns nur um das kümmern, was zuhause passiert und mit dem Rest wollen wir nichts zu tun haben. Diese Spaltung, diese Lagerbildung finde ich problematisch. Ich sehe aber auch eine Gegenbewegung. Viele junge Konsumentinnen und Konsumenten verstehen, dass die Welt zusammenhängt und wir Kooperationen bauen und Zusammenhalt in der Gesellschaft schaffen müssen um uns positiv zu entwickeln. Das ist für mich ein ganz pragmatischer Ansatz, weil wir als globale Gemeinschaft ohnehin nicht voneinander loskommen.

Als Gründerin beunruhigt mich  jedoch die polarisierende Stimmung. Ich hoffe, dass wir  bei „Share“ unseren kleinen Beitrag für mehr gegenseitiges Verständnis leisten können.

„Share“ heißt teilen und nachhaltiger Konsum klingt für viele Menschen nach Verzicht. Teilen Sie auch diese Meinung?

Es ist für mich nicht Verzicht, wenn man etwas nicht braucht und dann teilt. Wir müssen nicht notwendigerweise unseren Lebensstil reduzieren, aber wir könnten anders konsumieren und das genauso lustvoll. Die Umstellung wird weniger schmerzhaft sein, als wir es uns alle vorstellen.  Im Endeffekt ist es für alle günstiger, wenn wir uns jetzt darum kümmern, unsere Wirtschaft nachhaltig umzubauen. Unsere Lebensqualität wird insgesamt besser sein, weil uns der Planet nicht abbrennt. Es ist ein bisschen wie bei der Einführung des Rauchverbotes. Es wurde unglaublich viel vom Untergang des Abendlandes geschrieen und dass viele Gaststätten pleite gehen, weil die Leute nicht mehr ausgehen würden. Und dann kam eben die Änderung und es stellte sich heraus, die Leute gehen immer noch fort und geben immer noch Geld in der Wirtschaft aus.

Ich hätte noch eine Frage zur Unternehmensphilosophie bei „Share“. Wahrscheinlich ist New Work und Diversität Teil der DNA – aber verläuft die Umsetzung im Alltag tatsächlich selbstverständlich und fraktionsfrei?

Wir sind ein Team von hundert Menschen mit 18 Nationalitäten – also ja, das ist gewissermaßen in unserer DNA. Aber trotzdem müssen wir uns bei der Umsetzung auch anstrengen. Wenn unsere Managerin sagt „Hey, wir haben hier eine Reinigungsfirma, die auch Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung anstellt,“ dann finden wir das grundsätzlich total cool und versuchen insofern es sich irgendwie wirtschaftlich darstellen lässt,  auf diese Option umzusteigen. Ich sage aber auch ganz offen: Wir tun uns immer noch schwer in allen Bereichen Diversität in jenem Ausmaß abzubilden, wie wir es uns wünschen würden. Es gibt aber zwei konkrete Initiativen, die wir dazu laufen haben. Das eine Thema ist Inklusion. Dabei bemühen wir uns Menschen mit Behinderungen ins Unternehmen zu zu bringen. Außerdem haben wir ein Rekrutierungsteam, das sich laufend weiterbildet und beispielsweise auf eine Jobmesse für Flüchtlinge geht und schaut, dass wir da präsent sind und unsere Jobs bekannt sind. Dieses Rausgehen und offen sein ist immens wichtig. Es ist ja erstaunlich wie schnell man in seiner eigenen Bubble lebt ohne es zu bemerken.

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„Sich raus aus der eigenen Bubble bewegen“

Iris Braun träumte seit ihrer Schultagen davon, ein soziales Unternehmen zu gründen. Mit „Share“ ist ihr das eindrucksvoll gelungen.

Video-Call nach Berlin: Aus der Metropole der Coolness erscheint die Gründerin Iris Braun am Schirm. „Share“ ist ein Sozialunternehmen, das für jedes gekaufte Share-Produkt eine gleichwertige Hilfesleistung für Bedürftige im In- und Ausland spendet. Mittlerweile wurden allein in Österreich mehr als eine Million Produkte geteilt, eine Anzahl, die für sehr viele Menschen auf dieser Welt einen positiven Unterschied in ihrem Alltag bedeutet. Weltweit waren es sogar dreißig Millionen. Unser Gespräch dreht sich um Nachhaltigkeit, bewussten und lustvollen Konsum, aber auch der Umsetzung von New Work und Diversität in der Firmenkultur.

„Share“ ist ein global agierendes Unternehmen. Wie wirken sich die internationalen Krisen auf Betrieb und Strategie aus?

In diesen unterschiedlichen Krisen, die wir gerade weltweit erleben, spüren die Menschen, dass wir alle miteinander vernetzt sind und man eben nicht einfach „die Zugbrücke hochziehen“ kann. Denn wenn in China ein Problem auftaucht, hat dies Auswirkungen auch in Europa. Bei unseren Kunden bewirkt dies, dass der Wunsch nach nachhaltigen Produkten noch einmal gesteigert wird. Denn dadurch, dass wir alle miteinander vernetzt sind, werden wir Themen wie Integration oder Klimawandel auch nur gemeinschaftlich lösen können. Unser Ansatz ist es, lokale Projekte zu ermöglichen, indem wir aus unseren Erlösen dafür spenden oder dass unser Team sich mehr in Krisensituationen engagiert und helfen kann. So haben sehr viele Kolleginnen  und Kollegen jetzt in Berlin am Bahnhof ausgeholfen und auch Geflüchtete aus der Ukraine bei sich zuhause aufgenommen. Das unterstützen wir auch als Firma.

Besteht die Gefahr, dass wir lieber „vor der Haustür“ helfen und andere Regionen vernachlässigt werden?

Das macht unsere Mission umso wichtiger, gerade für Themen, die jetzt nicht so sehr im Rampenlicht stehen. Wir möchten unsere Projekte, die wir im globalen Süden und bestimmten Katastrophen- oder Kriegsgebieten seit geraumer Zeit unterstützen, gerade jetzt nicht vernachlässigen. Persönlichkeiten wie Boris Johnson in Großbritannien oder Narendra Modi in Indien vermitteln ein Weltbild, in dem wir uns nur um das kümmern, was zuhause passiert und mit dem Rest wollen wir nichts zu tun haben. Diese Spaltung, diese Lagerbildung finde ich problematisch. Ich sehe aber auch eine Gegenbewegung. Viele junge Konsumentinnen und Konsumenten verstehen, dass die Welt zusammenhängt und wir Kooperationen bauen und Zusammenhalt in der Gesellschaft schaffen müssen um uns positiv zu entwickeln. Das ist für mich ein ganz pragmatischer Ansatz, weil wir als globale Gemeinschaft ohnehin nicht voneinander loskommen.

Als Gründerin beunruhigt mich  jedoch die polarisierende Stimmung. Ich hoffe, dass wir  bei „Share“ unseren kleinen Beitrag für mehr gegenseitiges Verständnis leisten können.

„Share“ heißt teilen und nachhaltiger Konsum klingt für viele Menschen nach Verzicht. Teilen Sie auch diese Meinung?

Es ist für mich nicht Verzicht, wenn man etwas nicht braucht und dann teilt. Wir müssen nicht notwendigerweise unseren Lebensstil reduzieren, aber wir könnten anders konsumieren und das genauso lustvoll. Die Umstellung wird weniger schmerzhaft sein, als wir es uns alle vorstellen.  Im Endeffekt ist es für alle günstiger, wenn wir uns jetzt darum kümmern, unsere Wirtschaft nachhaltig umzubauen. Unsere Lebensqualität wird insgesamt besser sein, weil uns der Planet nicht abbrennt. Es ist ein bisschen wie bei der Einführung des Rauchverbotes. Es wurde unglaublich viel vom Untergang des Abendlandes geschrieen und dass viele Gaststätten pleite gehen, weil die Leute nicht mehr ausgehen würden. Und dann kam eben die Änderung und es stellte sich heraus, die Leute gehen immer noch fort und geben immer noch Geld in der Wirtschaft aus.

Ich hätte noch eine Frage zur Unternehmensphilosophie bei „Share“. Wahrscheinlich ist New Work und Diversität Teil der DNA – aber verläuft die Umsetzung im Alltag tatsächlich selbstverständlich und fraktionsfrei?

Wir sind ein Team von hundert Menschen mit 18 Nationalitäten – also ja, das ist gewissermaßen in unserer DNA. Aber trotzdem müssen wir uns bei der Umsetzung auch anstrengen. Wenn unsere Managerin sagt „Hey, wir haben hier eine Reinigungsfirma, die auch Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung anstellt,“ dann finden wir das grundsätzlich total cool und versuchen insofern es sich irgendwie wirtschaftlich darstellen lässt,  auf diese Option umzusteigen. Ich sage aber auch ganz offen: Wir tun uns immer noch schwer in allen Bereichen Diversität in jenem Ausmaß abzubilden, wie wir es uns wünschen würden. Es gibt aber zwei konkrete Initiativen, die wir dazu laufen haben. Das eine Thema ist Inklusion. Dabei bemühen wir uns Menschen mit Behinderungen ins Unternehmen zu zu bringen. Außerdem haben wir ein Rekrutierungsteam, das sich laufend weiterbildet und beispielsweise auf eine Jobmesse für Flüchtlinge geht und schaut, dass wir da präsent sind und unsere Jobs bekannt sind. Dieses Rausgehen und offen sein ist immens wichtig. Es ist ja erstaunlich wie schnell man in seiner eigenen Bubble lebt ohne es zu bemerken.